Ende April traf sich die Führungsspitze von veb.ch mit dem politischen Beirat in Luzern zu einem Gedankenaustausch. Im Zentrum der Diskussion standen die positiven und negativen Aspekte des neuen Datenschutzgesetzes und die Digitalisierung in unserem Berufsstand.

Austausch zwischen veb.ch und dem politischen Beirat (von links): Nationalrat Albert Vitali, Ständerat Konrad Graber, veb.ch-Präsident Herbert Mattle, veb.ch-Vizepräsident Dieter Pfaff, Ständerat Daniel Jositsch, Ständerat Fabio Abate, Nationalrat Pirmin Schwander und Stephanie Federle, Leiterin Marketing und Kommunikation.

«Wir freuen uns sehr über den jährlichen Austausch mit unserem politischen Beirat», begrüsste Herbert Mattle, Präsident von veb.ch, die Ständeräte Konrad Graber, Daniel Jositsch, Fabio Abate sowie die Nationalräte Albert Vitali und Pirmin Schwander. Entschuldigt war Ständerat Erich Ettlin.

In einem kurzen Rückblick erläuterte Herbert Mattle die wichtigsten Meilensteine des Verbands. Besonders stolz macht ihn, dass die Zahl der Absolventinnen und Absolventen der eidgenössischen höheren Prüfungen in Rechnungswesen und Controlling weiter ausgebaut werden konnte. Ebenso erfreulich sind die im letzten Jahr neu ein- geführten Einstufungen innerhalb des Nationalen Qualifikationsrahmens (NQR). Diese Einstufung ist laut Herbert Mattle vor allem für ausländische Vorgesetzte wichtig, da sie mit dem dualen Bildungssystem der Schweiz oft wenig vertraut sind. Aufgrund der Einstufung im NQR werden die eidgenössischen Prüfungen in den nächsten vier bis fünf Jahren überarbeitet und durch die Themen Leadership, Sozialkompetenz sowie Accounting 4.0 (insbesondere Datenanalyse) ergänzt.

Neues vom Datenschutzgesetz

Vizepräsident Dieter Pfaff berichtete über Neues vom Schweizer Datenschutzgesetz. «Uns als Verband ist es wichtig zu wissen, was für eine Bürokratie dahinter steckt.» Wann das Datenschutzgesetz, das derzeit im Entwurf vorliegt, in Kraft treten wird, ist noch unklar, da die Revision in zwei Etappen durchgeführt wird und die Anpassungen für den öffentlich-rechtlichen Bereich vorgezogen werden sollen. Als «gelungen» empfindet veb.ch, dass gewisse problematische Bestimmungen aus der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU nicht übernommen wurden. Dazu zählt beispielsweise die «Rechenschaftspflicht», wonach Verantwortliche beweisen müssen, dass die DSGVO eingehalten wird. Auf diese Beweislastumkehr wird im Schweizer Entwurf verzichtet. Positiv ist auch, dass der Geltungsbereich des Datenschutzgesetzes auf natürliche Personen beschränkt ist. Juristische Personen sind neu nicht mehr im Schutzbereich des Gesetzes. Als positiv empfindet der Verband auch, dass der Begriff des «Persönlichkeitsprofils» gestrichen und stattdessen der Begriff «Profiling» neu eingeführt wird. Dabei handelt es sich um die automatisierte Analyse von Personendaten.

Dieter Pfaff zeigte in seiner Präsentation aber auch auf, was der Verband als «weniger gelungen» einschätzt. Dazu gehört, dass es beim Gesetz in einigen Punkten ungewollte Verschärfungen zur DSGVO (Swiss Finish) gab und dass umfangreichere Dokumentationspflichten eingeführt werden sollen, welche einen hohen administrativen Aufwand nach sich ziehen könnten. Zudem wurde das Sanktionensystem im Vergleich zum Vorentwurf nicht erneuert. Bestraft werden die tatsächlich verantwortlichen natürlichen Personen und nicht wie in der EU die Unternehmen (Verwaltungssanktionen). Laut Dieter Pfaff gibt es zudem zu wenige Erleichterungen für Unternehmen, die eine/n Datenschutzberaterin/Datenschutzberater bezeichnen.

Der Verband empfindet den Entwurf des neuen Datenschutzgesetzes grundsätzlich als gelungen; er enthält jedoch Bestimmungen mit Verbesserungspotenzial.

Auswertung des Kurzchecks

Im letzten Jahr hat veb.ch einen Kurzcheck zum Thema «Jobgefährdung durch Digitalisierung» entwickelt. Mittlerweile haben über 1300 Personen teilgenommen. Die Mehrzahl der Teilnehmer (53 %) verfügt über einen Fachausweis Finanz- und Rechnungswesen oder Treuhand, dipl. Betriebswirtschafter FH oder HF, oder einen universi- tären Bachelorabschluss. Rund 40 % der Teilnehmenden sind eidg. dipl. Experten in Rechnungslegung und Controlling, Treuhänder, Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater und/oder verfügen über ein universitäres Masterstudium in Betriebswirtschaft.

Fast die Hälfte der Befragten gab an, Tätigkeiten auszuüben, die wenig automatisierbar sind. «Es ist auch eine Chance, dass gewisse Abläufe automatisiert werden; dann kann man sich auf die wesentlichen Fragen des Abschlusses konzentrieren», sagt Ständerat Konrad Graber. «Es gibt Chancen, aber auch Grenzen», ist Ständerat Daniel Jositsch überzeugt. «Der Computer kann nur logische Vorgänge kontrollieren. Alles was Kreativität erfordert, funktioniert nicht. Ein Computer kann zum Beispiel keine korrupten Vorgänge in Saudi-Arabien nachvollziehen. Die Frage ist: Wo muss ich als Mensch als Kontroll- organ tätig werden und in welchem Bereich kann ich die Kontrolle dem Computer überlassen?» Zudem darf laut Daniel Jositsch nicht Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Teilnehmenden der Umfrage über einen hohen Aus- und Weiterbildungsstand verfügen und dass die Jobgefährdung zwar als sehr unterschiedlich, aber von vielen offenbar nicht als bedrohlich wahrgenommen wird: Fast die Hälfte gibt an, Tätigkeiten auszuüben, die zu weniger als 10 % automatisierbar sind. «Unser Berufsstand ist gut aufgestellt, um sich der Digitalisierung und den damit verbunden Herausforderungen anzunehmen», schlussfolgert Dieter Pfaff.

Die Auswirkung einer innovativen Volkswirtschaft

Im zweiten Teil seines Referats ging Dieter Pfaff auf die Entwicklung der Automatisierung ein und welche Auswirkungen diese auf Beschäftigung und Arbeitslosigkeit haben könnte. Die Zahlen vom Bundesamt für Arbeit in Deutschland zeigen Erstaunliches: Zwischen 2013 und 2016 ist die Zahl der Stellen in der Buchhaltung sogar gewachsen, nunmehr scheint aber wohl die Trendwende erreicht zu sein. Zusätzlich brachte Dieter Pfaff einige interessante Denkanstösse von Avenir Suisse zum Thema «Chancen und Risiken einer digitalen Arbeitswelt» ein. «Man könnte jetzt die Hypothese aufstellen, je innovativer Volkswirtschaften sind, umso mehr Jobs fallen weg», so Dieter Pfaff. Ein Blick auf die Studie von Avenir Suisse legt jedoch einen anderen Zusammenhang nahe: Je innovativer ein Land ist, desto niedriger ist tendenziell die Arbeitslosigkeit. Eine weitere Studie der Harvard University zeigt auf, dass neben mathematischen Fähigkeiten (MINT) die Sozialkompetenz eine wichtige Rolle spielt. Vor allem auch im Bereich «Financial Management» sind beide Fähigkeiten gefordert. Dieser Meinung ist auch Ständerat Fabio Abate: «Die Jungen lernen heute sehr schnell, doch was ihnen oft fehlt, ist die Sozialkompetenz», sagt er.

«Es zeigt ganz klar, dass in Zukunft vor allem die Berufsverbände gefordert sein werden», sagt Nationalrat Albert Vitali. Auf der anderen Seite stelle ich fest, dass das duale Bildungssystem das Richtige ist. Wo wir in Zukunft grosse Herausforderungen haben werden, ist der Fachkräfte- mangel im handwerklichen Bereich.

Schweizer KMU sind noch nicht bereit

Fakt ist, dass die Digitalisierung aktuell in aller Munde ist. Die KMU in der Schweiz sind jedoch noch lange nicht so weit. Dies zeigen die Zahlen einer Umfrage von EXPERTsuisse zum Digitalisierungsgrad. In der Treuhandbranche haben 34 % der KMU noch kein Online-Zahlungssystem. «Solche Studien legen dar, dass wir für strukturelle Anpassungsprozesse mehr Zeit haben, als es uns Pessimisten suggerieren wollen», sagt Dieter Pfaff. «Morgen werden also nicht alle automatisierbaren Tätigkeiten auf einen Schlag wegfallen; Unternehmen haben ein gewisses Verharrungsvermögen. Ich bin aber überzeugt, dass man sich den Anpassungsprozessen schnell stellen und daher bis ins Alter offen und flexibel sein muss. Dies bedeu- tet auch, sich permanent weiterzubilden», sagt er. Als positiv empfindet Daniel Jositsch vor allem die Einstel- lung von jungen KV-Abgängern. «92 % unserer Lehr- abgänger geben bei der Lehrabschluss-Befragung an, dass sie unmittelbar nach dem Lehrabschluss eine Weiterbildung machen.» Nach der anregenden Diskussion berichteten die Mitglie- der des politischen Beirats über die laufenden Geschäfte in Bern. Nationalrat Pirmin Schwander orientierte über die aktuelle Aktienrechtsrevision in der Kommission für Rechtsfragen des Nationalrates. Im Rahmen dieser Revi- sion erarbeitet die Kommission einen indirekten Gegen- entwurf zur Konzernverantwortungsinitiative. Anschliessend folgt die Revision des Urheberrechts. In der Wirtschaftskommission des Ständerates stehen laut Ständerat Konrad Graber die Steuervorlage 2017 und die Abschaffung des Eigenmietwerts auf dem Programm.

Nach gut zwei Stunden schloss Herbert Mattle die Diskussion und bedankte sich bei den Ständerats- und Nationalratsmitgliedern für den interessanten Gedankenaustausch.